Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V. Förderverein Kulturlandschaft Schwalm e.V.

Aktuelles

Stand: Donnerstag, 16. August 2018
 

 

7. Baumgeflüster am Samstag, den 11.8.2018

Nachlese
Baumgeflüster unter der Esels-Eiche bei Wiera


Eine Gedankenreise zu Natur und Zeitgeist mit Respekt, Neugier und Zweifeln

Im Schatten weitausladender Kronenäster der gut 250jährigen Stiel-Eiche ließen sich am vergangenen Samstag etwa 50 Teilnehmer des 7. Baumgeflüsters auf Landschaft und eine hintergründige Lesung an der Gemarkungsgrenze zwischen Wiera und Wasenberg ein. Auf rustikaler Strohballenbestuhlung sitzend und den Blick in die weite Landschaft über das Gilserberger Hochland zum Burgwald gerichtet sorgte angenehmes Sonnen-Sommerwetter und leichter, erfrischender Wind für fast ideale Bedingungen. Allein dem vom roten Plüschsessel Vortragenden verdarb der Wind ein wenig den Hall seiner Worte.
 

Bild1-_MG_4439-2018 kl-Roswitha Bechtel-7. Baumgeflüster -Stieleiche zwischen Wasenberg und Wiera
In der Lesungspause ließen sich die Teilnehmer von Isak auch zu Bewegungsübungen animieren.


Isak, der als "Wichtelpapa" bekannte Autor und Maler vom Dörnberg im Habichtswald hatte jedenfalls seine Mühe den Gedanken seiner überwiegend eigenen Texte genügend Gehör zu verschaffen. Die Vielfalt seiner Wahrnehmungs- und Gedankenwelt von Erscheinungen in Natur und Landschaft dürfte dennoch alle Teilnehmer beeindruckt und sicherlich animiert haben, in Zukunft genauer hinzuschauen, ob sich in einem Apfelbaum nicht vielleicht doch ein Drache versteckt und ob nicht aus dem Morgennebel neben urigen Baumgestalten nicht tatsächlich Wichtel, Elfen und Zauberzwerge auftauchen.

Isak verführte seine Zuhörerschaft in eine Gedankenwelt von Märchen, Parabeln und Grotesken, die wiederum vor der Haustür eines Jeden hätten sein können, also immer greifbar und stets präsent. Mit dem Gespräch zweier Eicheln über das Wunder ihres Werdens zur majestätischen Eiche ließ er eingangs Ehrfurcht vor der Natur entstehen. Er traf natürlich auch die Märchenfiguren der Gebrüder Grimm und erklärte den "Zweigesichtbaum" mit seiner lachenden und seiner strengen Seite. Isak verortete sich mit seinen Wahrnehmungen der Welt zweifelsfrei als Vertrauter der Natur in allen ihren Erscheinungsformen.
 

Bild2-_MG_4351-2018 kl-Roswitha Bechtel-7. Baumgeflüster -Stieleiche zwischen Wasenberg und Wiera
Isak zog seine etwa 50 Zuhörer unter der Esels-Eiche in den Bann seiner naturverbundenen Gedankenwelt.


Kein Wunder, dass der Autor den heutigen Errungenschaften eher misstraut oder auch deren mitunter skurrile Entwicklungen bemerkt. So fiel ihm in zeitkritischen Beiträgen auf, dass heutzutage wohl das Smartphone im Vergleich die größte Zahl an Streicheleinheiten erfährt und er um diese Fragwürdigkeit zu enttarnen ironisch von "Streichelphonen" spricht. Dabei entlarvte er die neuen Medien als virtuelles Zeiträubergesindel und Trickbetrug. Solche Minutengauner und Stundediebe seien ursächlich für das Verschwinden der Zeit.
 Hinter der Gedankenmauer, so der Titel des Baumgeflüsters, konnten die Teilnehmer ihre eigene Phantasie angesprochen und ihren eigenen zweiten Blick auf die Dinge geschärft fühlen.

Für die Initiatoren des Baumgeflüsters war es neben der gelungenen Lesung unter den solitären Bäumen darüber hinaus interessant zu erfahren, dass die Esels-Eiche auch heute noch im Alltag ihre Funktion als Treffpunkt und als Pausenort während der Feldarbeit besitzt wie der Bewirtschafter der angrenzenden Ackerflächen, Ralf Jungermann, und auch der frühere Jagdpächter Georg Prüssing berichteten.
 

Bild3-_MG_4396-2018 kl-Roswitha Bechtel-7. Baumgeflüster -Stieleiche zwischen Wasenberg und Wiera
Der Autor und Maler Isak bei der Lesung des 7. Baumgeflüsters


Schließlich konnten sich alle Teilnehmer in der Lebensweisheit wiederfinden, die der Namensgeber der
Esels-Eiche, Herr Prüssing, bei dem Schriftsteller Max Bewer gefunden und aus Anlass der besonderen Begebenheit unter seinem Lieblingsbaum rezitiert hat:

"Und kannst du auch nicht ahnen, wer einst in seinem Schatten tanzt, bedenke Mensch: es haben deine Ahnen, eh' sie dich kannten, auch für dich gepflanzt!"

Landwirt Jungermann sagte spontan zu, seinen Beitrag zu einem noch langen Leben der Stiel-Eiche zu leisten und mit dem Pflug in Zukunft ein paar Meter weiter entfernt von deren 3,50 m umfassenden Stamm zu halten.
 

16. August 2018
Text: Jörg Haafke
Fotos: Roswitha Bechtel
 

 

Arbeits- und Vorstandstreffen

Das nächste
Arbeits- und Vorstandstreffen
findet am Donnerstag den 06. September 2018 ab 20:00h im
Kulturhaus Antreff in Willingshausen statt.
 

 

Gaststätte „Die gürre Stubb“, Willingshausen, Bernsburger Straße 1 statt.

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